Themen
Blog Logo

Urlaubsanspruch für Minijobber*innen: Wie viele Tage stehen ihnen wirklich zu?

  • 1.
    Das Wichtigste zum Urlaubsanspruch im Minijob zusammengefasst
  • 2.
    Generelle Regelungen zum gesetzlichen Urlaubsanspruch im Minijob
  • 3.
    Kleine Wiederholung: Entstehung des Urlaubsanspruchs
  • 4.
    Urlaubsanspruch im Minijob berechnen
  • 5.
    Nutze ganz einfach den Urlaubsrechner von gastromatic
  • 6.
    Vorsicht bei Abgeltung von Urlaub bei Minijobbenden
  • 7.
    Fazit zur Urlaubsberechnung bei Minijobbenden
Sommer, Sonne, Strand… Aktuell denken wir zur Ablenkung von den eisigen Winden gerne schon mal an die Urlaubszeit, und auch in Deutschland werden die Temperaturen steigen. Da sollte doch auch mal ein halber Tag am See drin sein, oder? Denn auch Minijobber*innen haben Anspruch auf bezahlten Urlaub.
Wir erklären euch, welche rechtlichen Grundlagen zu beachten sind, wie der Erholungsurlaub überhaupt entsteht und wie sich der Urlaubsanspruch anhand der Arbeitstage und Arbeitsstunden berechnen lässt.

Das Wichtigste zum Urlaubsanspruch im Minijob zusammengefasst

Die Grundlage dafür bildet die Urlaubsberechnung. Personalverantwortlichen erscheint die Berechnung des Urlaubsanspruchs auf den ersten Blick gar nicht so schwer, auf den zweiten stellt man jedoch fest, dass es doch einige Besonderheiten zu beachten gilt. Die Beschäftigung von Minijobber*innen ist vielseitig, sie sind häufig an wenigen Tagen in der Woche beschäftigt oder arbeiten sogar variabel in den Wochen, was die Berechnung etwas komplizierter macht. Wir knöpfen uns mit diesem Artikel speziell den Urlaubsanspruch für Minijobbende vor und fassen für euch alles Wissenswerte zusammen, damit beim nächsten Urlaubsantrag nichts schiefgeht.

Generelle Regelungen zum gesetzlichen Urlaubsanspruch im Minijob

Ein Grundsatz gilt natürlich: Der gesetzliche Urlaubsanspruch gem. § 3 BUrlG, also 24 Tage bei einer 6-Tage-Arbeitswoche in einem Kalenderjahr, ist das Maß aller Dinge. Anhand dieser Formel kann entsprechend nach Arbeitstagen der gesetzliche Urlaub berechnet werden.

GUT ZU WISSEN

Hierbei handelt es sich um den gesetzlichen Mindestanspruch. Vertraglich können auch durchaus mehr Urlaubstage vereinbart werden.

Wie viele Stunden am Tag gearbeitet werden, ist nicht relevant, hier gilt das sogenannte Tagesprinzip. Aber Minijobber*innen arbeiten häufig an weniger Arbeitstagen in der Woche oder sogar jede Woche unterschiedlich und ganz variabel in verschiedenen Schichten. Fest steht: Der Urlaub ist, sofern er entstanden ist, grundsätzlich auch für Minijobbende zu bezahlen. Die Höhe des Urlaubsentgelts richtet sich gemäß § 11 BUrlG nach dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs, wobei Überstundenzahlungen unberücksichtigt bleiben.

Kleine Wiederholung: Entstehung des Urlaubsanspruchs

Wie in dem Blogartikel Urlaubsanspruch Gastgewerbe schon beschrieben, entsteht der Urlaubsanspruch bereits mit Erfüllung des ersten vollen Kalendermonats geleisteter Arbeit. Hier wird deutlich, dass der Urlaub eng mit der Arbeitsleistung an sich verknüpft wird: die Produktivität der Lohnarbeit soll mit Erholungsurlaub quittiert werden, sodass man als Arbeitnehmer*in gestärkt und voller Energie zurückkehrt und ist somit im Interesse beider Parteien zu verfolgen – das gilt natürlich auch für Minijobber*innen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein ganzheitlicher Urlaubsanspruch entsteht; vielmehr ergibt sich in den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses der sogenannte Teilurlaub. Der Teilurlaub nach § 5 BUrlG beinhaltet den Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat, in dem das Arbeitsverhältnis besteht. Dies bedeutet im Gegenzug, dass ein voller Urlaubsanspruch vorliegt, nachdem das Arbeitsverhältnis volle sechs Monate Bestand hatte. Allerdings ist dies nur innerhalb des Kalenderjahres der Fall. Steigt ein*e Mitarbeiter*in unterjährig ein und kann im Jahr die Wartezeit von sechs Monaten nicht mehr erreicht werden, entsteht der Vollurlaub nicht; hier verfügen die Mitarbeiter*innen nur über den Teilurlaubsanspruch. Scheidet ein*e Mitarbeiter*in vor dem Erfüllen des ersten vollen Monats aus dem Arbeitsverhältnis aus, so entsteht der Teilurlaub gar nicht erst. Eine Besonderheit (nur!) des Teilurlaubs ist, dass Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, auf einen vollen Tag aufgerundet werden.

Urlaubsanspruch im Minijob berechnen

Da das Bundesurlaubsgesetz bei der Bestimmung von 24 Urlaubstagen von einer 6-Tage-Woche ausgeht, muss gerade im Minijob der Anspruch anteilig errechnet werden. Nun ist es natürlich so, dass Minijobs ganz unterschiedlich ausgestaltet sein können und manche Mitarbeitenden reguläre Arbeitszeiten haben, während andere wiederum je nach Bedarf eingesetzt werden. Im Folgenden zeigen wir die unterschiedlichen Berechnungsmethoden, je nach dem, ob eure Minijobber*innen feste Arbeitstage in der Woche haben oder unregelmäßige Arbeitszeiten haben.

Arbeit an festen Arbeitstagen in der Woche

Arbeiten die Minijobber*innen nun an festen Arbeitstagen in der Woche, so richtet sich der Urlaub auch anteilig danach.
Beispiel 1:
Manuel ist Minijobber und soll laut Arbeitsvertrag drei Tage in der Woche arbeiten, er arbeitet bereits seit 7 Monaten im Betrieb. Manuel bekommt den gesetzlichen Urlaub. An welchen Tagen genau Manuel arbeitet, ist egal. Fest steht, dass Manuel drei Tage in der Woche arbeiten geht. Wie viel Urlaub hat Manuel in dem vollen Kalenderjahr?Das Beispiel ist leicht, da Manuel anstatt sechs Arbeitstage nur drei arbeitet und bereits die Wartezeit erfüllt hat. Das bedeutet, dass Manuel bereits den vollen Urlaubsanspruch erworben hat. Anhand der folgenden Urlaubs-Formel lässt sich der Jahresurlaub nun berechnen:
Formel urlaubsberechnung
Somit hat Manuel Anspruch auf zwölf Urlaubstage pro Kalenderjahr. Insofern ergeben sich für ihn als Minijobber keine Besonderheiten.

Arbeit an unterschiedlichen Arbeitstagen in verschiedenen Wochen

Arbeiten die Minijobber*innen jedoch in verschiedenen Wochen unterschiedlich oft, so wird die Berechnung etwas komplizierter. Hier wird das Jahr als Maßstab für die Berechnung herangezogen.
Ein möglicher Weg: Man kann die gesamten Arbeitstage der Minijobbenden, die sie in einem Jahr arbeiten, zusammenrechnen. Das Bundesarbeitsgericht hat festgelegt, dass in einem Jahr auf Basis einer 6-Tage-Woche 312 Arbeitstage liegen. Für die Berechnung der Urlaubstage wird der Durchschnitt der Vollzeit-Mitarbeitenden zugrunde gelegt. Daraus wurde folgende Berechnungsformel entwickelt:
Formel urlaubsberechnung
Beispiel 2:
Minijobberin Marie arbeitet schon seit acht Monaten im Betrieb, kommt jedoch immer unterschiedlich in der Woche zur Arbeit. Vollzeitmitarbeitende des Betriebs bekommen den gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch. Sie hat bisher schon 26 Tage im Betrieb gearbeitet. Wie hoch ist Maries Urlaubsanspruch?
Formel Urlaubsberechnung
Marie hat also einen Urlaubsanspruch von 2 Tagen.
Anders gesprochen, wird bei Zugrundelegung des gesetzlichen Anspruchs (24 Tage bei einer 6-Tage-Woche) der Multiplikator 1/13 genommen. Also für 13 Tage geleistete Arbeitstage erlangt ein Minijobber einen Tag Urlaub.
Aber Achtung: Bekommen die Vollzeitmitarbeiter*innen des Betriebs durchschnittlich 30 Urlaubstage im Jahr, so bekäme Marie im gleichen Fall:
Formel Urlaubsberechnung

Nutze ganz einfach den Urlaubsrechner von gastromatic

Mithilfe unseres kostenlosen Excel-Urlaubsrechners könnt ihr den Urlaubsanspruch eurer Mitarbeiter*innen easy ausrechnen lassen. Ihr könnt damit auch Teilurlaub berechnen lassen, wenn eure Mitarbeitenden noch nicht ganzjährig beschäftigt sind.
urlaubsanspruch berechnen vorlage
Wichtig ist, dass der Urlaub deiner Minijobber*innen dieselbe Berechnungsgrundlage hat wie die durchschnittlichen Urlaubstage deiner Vollzeitbeschäftigten – das gilt auch dann, wenn Tarifverträge mit mehr Urlaubstagen greifen, von denen dann alle Beschäftigten profitieren.
Hier kannst du dir den Urlaubsanspruchsrechner herunterladen, um direkt mit der Berechnung loszulegen.

Vorsicht bei Abgeltung von Urlaub bei Minijobbenden

Grundsätzlich sollte der Urlaub in Natura, das heißt tatsächlich gewährt werden. Sollte es bei den Minijobbenden jedoch nicht dazu kommen können, ist Vorsicht bei der Abgeltung im Falle des Austritts der Mitarbeitenden geboten. Die Minijobber*innen dürfen nämlich nicht durch die Urlaubsabgeltung über den Betrag von 6.240 € jährlich kommen. Die Überschreitung ist nur dann unschädlich, wenn die Abgeltung nicht vorhersehbar war. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn man als Arbeitnehmer*in außerordentlich gekündigt wurde. Nicht unvorhersehbar ist es jedoch, wenn der Urlaub tatsächlich genommen werden könnte.
In diesem Zusammenhang ist auch das Urlaubsgeld zu beachten. Einen Anspruch auf Urlaubsgeld per se gibt es nicht; ist es in der Firma aber gängige Praxis (beispielsweise aufgrund von tarifvertraglichen oder arbeitsvertraglichen Vereinbarungen), den Vollzeitbeschäftigten Urlaubsgeld zu zahlen, dürfen die Minijobbenden nicht übergangen werden. In diesen Fällen, steht den Minijobber*innen eine auf die Arbeitszeit bezogene anteilige Auszahlung des Urlaubsgeldes zu.
Achtung: Auch hier muss dann die Obergrenze von 6.240 € bedacht werden: Bei Überschreitung bleibt der Minijob nicht sozialversicherungsfrei und es müssen Beiträge entrichtet werden.

Fazit zur Urlaubsberechnung bei Minijobbenden

Wie wir sehen, ist das Thema doch mit ein wenig Rechnerei verbunden. Neben den oben erklärten Formeln könnte der gastromatic Urlaubsrechner eine Hilfestellung sein. Wichtig ist: Behaltet im Hinterkopf, dass auch Minijobber*innen grundsätzlich einen Urlaubsanspruch haben. Nehmen die Arbeitnehmer*innen diese Urlaubstage nicht und das Arbeitsverhältnis endet, haben sie einen Anspruch auf Abgeltung, was die Gefahr birgt, dass man den jährlichen Höchstbetrag von 6.240 € überschreitet. Außerdem wird seit 2019 in jeder Betriebsprüfung der Sozial- und Rentenversicherung verbindlich geprüft, ob allen Mitarbeitenden der Urlaubsanspruch auch gewährt oder ausbezahlt wurde. Zu beachten ist noch, dass – unabhängig vom BUrlG – auch Tarifverträge zur Anwendung kommen können, die abweichende Regelungen enthalten. Das solltet ihr unbedingt im Blick haben; gegebenenfalls hilft hier eine Rücksprache mit der Anwältin oder dem Anwalt des Vertrauens.
Falls ihr euch weiterhin in die rechtlich relevanten Grundlagen für Minijobber*innen einfuchsen wollt und bezüglich der aktuellen Gesetzesänderungen up to date bleiben wollt, schaut gerne mal in unseren Artikel zum maximalen Verdienst bei Minijobber*innen rein.
Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Die Autor*innen übernehmen keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.
Neugierig geworden? Dann melde dich gerne bei uns!
Ähnliche Beiträge
urlaubsanspruch minijob

Urlaubsanspruch für Minijobber*innen: Wie viele Tage stehen ihnen wirklich zu?

Auch im Minijob hat man Anspruch auf Urlaub. In diesem Artikel erfahrt ihr wie hoch dieser ist und was Arbeitgeber*innen beachten..
Hygiene Gastgewerbe HACCP Konzept

Das kleine 1×1 der Hygiene: HACCP-Konzept

In diesem Beitrag stellen wir dir die 6 Schritte der Erstellung eines HACCP-Konzepts vor, welches du für ein ganzheitliches Hygienemanagement benötigst.
rechte und pflichten azubi

Rechte und Pflichten von Azubis im Gastgewerbe

Hier erfahrt ihr alles Wichtige rund um die rechtlichen Grundlagen, die ihr als Arbeitgebende beachten müsst, wenn ihr Auszubildende beschäftigt.