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Die 4-Tage-Woche: Wunschvorstellung oder zukunftsfähiger Ansatz?

Immer mehr Arbeitnehmende wünschen sich andere Arbeitsmodelle, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Arbeitgebende sollen im Gegenzug auf weniger gestresste und somit produktivere Mitarbeitende setzen können.
  • 1.
    Kurz und knapp
  • 2.
    Das Konzept
  • 3.
    Die 4-Tage-Woche und das Arbeitszeitgesetz
  • 4.
    Vor- und Nachteile des Modells
  • 5.
    Fazit

Kurz und knapp

Die 4-Tage-Woche ist ein Ansatz, die wöchentlich zu leistende Arbeitszeit zu reduzieren und auf 4 Arbeitstage pro Woche zu verteilen. Er stellt somit eine Alternative zur klassischen 5-Tage-Woche mit 40 Wochenstunden dar. In diesem Blogartikel soll es darum gehen, das Konzept der 4-Tage-Woche vorzustellen und Hinweise zu geben, was aus arbeitsrechtlicher Sicht zu beachten ist.

Das Konzept

Bei der 4-Tage-Woche handelt es sich um ein alternatives Arbeitszeitmodell, bei dem, mit reduzierter Wochenstundenzahl, statt der üblichen 5 Tage nur noch an 4 Tagen pro Woche gearbeitet wird. In Deutschland gilt seit einer Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Jahr 1955 die 5-Tage-Woche mit 40 Wochenstunden. Seit einigen Jahren, auch vorangetrieben durch die Corona-Pandemie und mobiles Arbeiten, rückt jedoch das Bewusstsein für neue Arbeitsmodelle immer stärker in den gesellschaftlichen Fokus und immer mehr Arbeitnehmende wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.Wichtig zu erwähnen ist, dass es beim Konzept der 4-Tage-Woche zwar darum geht, die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren, was jedoch nicht mit einer Reduzierung des Gehalts einhergeht. Vielmehr geht es darum, das Arbeiten effizienter zu gestalten, um dadurch mehr Freizeit bei gleicher Bezahlung zu ermöglichen. Ziel des Ansatzes ist es, den Mitarbeitenden bei gleichem Lohn einen freien Tag mehr zu gewähren, um so nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern, sondern auch die gesamte Produktivität im Betrieb. Dies könnte vor allem im krisengebeutelten Gastgewerbe eine positive Auswirkung auf die Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitenden haben.

Die 4-Tage-Woche und das Arbeitszeitgesetz

Aus arbeitsrechtlicher Sicht steht der Einführung einer 4-Tage-Woche prinzipiell erst einmal nichts im Weg. Zu berücksichtigen gilt es aber, dass die tägliche Arbeitszeit der Beschäftigten 8 Stunden nicht überschreiten darf. In Ausnahmefällen darf diese auf 10 Stunden erhöht werden, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen durchschnittlich 8 Stunden Arbeitszeit pro Tag nicht überschritten werden. Ausnahmen sind möglich, allerdings nur im Rahmen der g.
Ebenfalls zu beachten ist, dass das aktuelle Arbeitszeitgesetz (ArbZG) von einer 6-Tage-Woche mit bis zu 48 Wochenstunden ausgeht. Aus diesem Grund wäre es also möglich, sofern die wöchentlich zu leistende Arbeitszeit verringert wird, auch eine 4-Tage-Woche mit 40 Wochenstunden einzuführen. In diesem Fall könnten also pro Arbeitstag höchstens 10 Stunden gearbeitet werden, wobei die Möglichkeit von Überstunden dann wegfiele. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen würden sich dann erhöhen, sodass bei mehr als 9 Stunden Arbeit mindestens 45 Minuten Pause gemacht werden muss. Wichtig: Für Jugendliche (JArbSchG) und werdende oder stillende Mütter (MuSchG) gelten gesonderte Regelungen.

Vor- und Nachteile des Modells

Wie bei allen Arbeitsmodellen gibt es auch bei der 4-Tage-Woche nicht nur Befürworter*innen, sondern auch einige kritische Stimmen. Als wesentliche Nachteile werden folgende Punkte genannt:
  • Steigende Kosten, z. B. für mehr Personal
  • Schwierige Arbeitsplanung bei Ausfällen aufgrund von Krankheit
  • Steigerung des Termin- und Leistungsdrucks
  • Erhöhte Produktivität ist nicht immer gewährleistet
Viele Unternehmen fürchten, dass durch die Einführung der 4-Tage-Woche die Betriebskosten steigen könnten, da mehr Mitarbeitende eingestellt werden müssten, um die von Kolleg*innen weniger geleisteten Stunden auszugleichen – und das vor allem auch, wenn Beschäftigte wegen Krankheit fehlen. Die Angst, beim aktuellen Fachkräftemangel nicht genügend Personal zu finden, sei in vielen Betrieben ohnehin schon sehr groß. Zudem wird oft bezweifelt, dass ein freier Tag mehr pro Woche tatsächlich die Produktivität steigern könne, weil die zu leistende Arbeit sich nicht einfach auf weniger Stunden verteilen lasse.Auf Seiten der Befürworter*innen geht die Rechnung allerdings ganz klar auf, sodass nicht nur Arbeitnehmende, sondern auch Arbeitgebende davon profitieren, was sich insgesamt positiv auf das Betriebsklima auswirken soll. Als wesentliche Vorteile der 4-Tage-Woche werden folgende Punkte genannt:
  • Mehr Zeit für Familie, Freunde, die Pflege von Angehörigen, persönliche Hobbys etc.
  • Möglichkeit zur Erholung, dadurch mehr Motivation, weniger Stress und in Konsequenz auch weniger Fehltage wegen Krankheit
  • Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit und dadurch Bindung der Mitarbeitenden an den Betrieb
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität (nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Bewerber*innen)
Bei allen oben genannten Vorteilen gilt es aber eines ganz besonders zu beachten: Eine 4-Tage-Woche einzuführen, ohne die aktuellen Arbeitsweisen im Betrieb zu hinterfragen, könnte durchaus problematisch sein. Denn wer das Arbeitsmodell im eigenen Betrieb verändern will, sollte sich vorab auch fragen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit der Betriebsablauf weiterhin reibungslos läuft – oder im besten Fall sogar effizienter. Das kann z. B. geschehen, indem betriebliche Abläufe und Routinen analysiert und gegebenenfalls angepasst werden.

Fazit

Die 4-Tage-Woche hat, wie jedes Arbeitsmodell, sowohl Vor- als auch Nachteile. Je nach Branche, Betrieb und Mitarbeiterzahl muss geschaut werden, ob und wie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit möglich ist. Im Vorfeld sollte man sich auch die Frage stellen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um eine Reduzierung der Arbeitszeit möglich zu machen, ohne den Betriebsablauf zu gefährden. Zusätzlich stellt sich die Frage nach veränderten Urlaubsregelungen und wie viele Urlaubstage den Beschäftigten bei einer Reduzierung der Arbeitszeit zustehen. Doch keine Sorge: Du musst die komplexen Berechnungen des Urlaubsanspruchs deiner Mitarbeitenden nicht selbst durchführen. Mit gastromatic wird die Urlaubsplanung zum Kinderspiel! Im Anschluss kannst du dann auch direkt deinen Dienstplan schreiben und mit deinem Team teilen. Durch die Lesebestätigung im Dienstplan siehst du auch, wer den Dienstplan bereits geöffnet hat und über seine Arbeitseinsätze Bescheid weiß. So läuft der Betriebsablauf, auch bei einer 4-Tage-Woche, reibungslos.
Hinweis: Hierbei handelt es sich um unverbindliche Informationen. Die Autor*innen übernehmen keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen, welche auch keine individuelle Rechtsberatung darstellen.
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